Als Adéla, Bára, Iveta, Katka und Tomáš eines Morgens aus ihren Kinderträumen erwachten, fanden sie im Kindergarten oder in der Schule statt ihrer „soudružka učitelka“ (Genossin Lehrerin) eine „paní učitelka“ (Frau Lehrerin) vor. Und die Welt war eine andere.
Ab sofort kaufte man Levi´s-Jeans nicht mehr nur beim „Tuzex“ (die Exklusivität des geheimnisvollen Geschäftes machte neben der Ware aus dem Westen schon allein das „x“ aus), im Fernsehen liefen amerikanische TV-Serien, man ist zum ersten Mal nach Wien gefahren. Es gab aber auch freie Wahlen, keine politischen Gefangenen mehr und keine Begrenzung bei der Studien- und Berufswahl. So etwa ist die Zeit um 1989 im Gedächtnis der fünf StudentInnen haften geblieben. Sie haben sich nunmehr am Österreich Institut Brno zusammengefunden, um sieben Schicksalen von dies- und jenseits des – inzwischen verschwundenen – eisernen Vorhangs nachzugehen. Sie haben Interviews geführt: mit einem Dichter sowie mit einer Wirtschaftsfrau, mit einer Studentin und mit einer Rentnerin, sowohl mit TschechInnen, als auch mit ÖsterreicherInnen, mit EmigrantInnen wie mit ImmigrantInnen.
Die Welt von heute ist „kein Substantiv, sondern ein Verb“, die immerwährende Veränderung wurde zur Norm – damit nicht alles in dieser Flut des Neuen spurlos verschwindet, muss man einen Moment innehalten. Die fünf jungen Leute sind – aller Kritik an ihrer Generation zum Trotz – eben über den Horizont des Alltäglichen hinausgegangen und haben sich darauf eingelassen, mit Neugier und Eifer der Frage nachzuspüren, „wie es denn damals wirklich war“. Die Geschichte wollten sie dabei nicht (nur) als vorgefundene Sammlung von Fakten auffassen, sondern als geschichtete Geschichten konkreter Menschen. Ihre Aussagekraft strahlt auch über die 20 Jahre hinweg und beleuchtet unsere Gegenwart neu – und damit auch die Zukunft.
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